David Ianni

… ein luxemburgischer Pianist und Komponist

© David Olkarny

Am 1. August 1979 in Luxemburg geboren, wächst David Ianni zunächst in Schifflange und Esch-Alzette auf. Im Alter von 9 Jahren beginnt er ein Klavierstudium im Escher Conservatoire. Seine Musikstudien haben ihn danach nach London, an die bekannte Purcell School, und nach Maastricht geführt. In Maastricht hat er seinen Master of Music abgeschlossen. Heute lebt David in der Eiffel und gibt Klavierunterricht im Conservatoire vum Norden.

Mit My Urban Piano ist er auf Reisen gegangen und hat dabei in 9 Kulturstädten durch ganz Europa haltgemacht. Für diesen Zweck hat David Ianni für jeden Konzertort, spezifische Musikstücke komponiert und auf künstlerisch gestalteten Klavieren vorgetragen. Nach den Konzerten wurden diese Klaviere an soziale Institutionen gespendet.

Dass er das Leben liebt und die Menschen ihm wichtig sind, spürt man, wenn man ihm zuhört. Sein Klavierspiel ist lebendig und zart zugleich und seine Kompositionen sind einnehmend, gefühlvoll und meditativ. Die Fingertechnik und Körperhaltung sind weniger exzentrisch als man es bei anderen Pianisten sieht. Man merkt ihm an, dass er eher seine Musik als sich in den Vordergrund stellt.

Menschlich besticht David Ianni durch seine sensible, nachdenkliche, und zurückhaltende Art. Er setzt sich viel für soziale Projekte ein, indem er unter anderem geistig behinderte Menschen und die DKMS unterstützt oder mit einem Chor von jungen Flüchtlingen für das Musikvideo „Children of Aleppo“ zusammenarbeitete. Mit Kindern aus dem SOS Kinderdorf hat er die orchestrale Hymne für das luxemburgische Kinderdorf zusammengestellt und den Titelsong für die luxemburgische Sendung Télévie aufgenommen. Neben seiner Arbeit als Musiklehrer, ist er ein begeisterter Sportler.

David Ianni hat uns ein paar Fragen beantwortet und ermöglicht uns so einen einen kleinen Einblick in sein Leben.

Mit 9 Jahren hast du bereits dein Klavierstudium am Escher Conservatoire aufgenommen. War es immer klar, dass Musik eine Berufung ist/ein Beruf wird?

Ich konnte mir nie etwas anderes vorstellen, als Berufsmusiker zu werden. Musik war für mich bereits als Kind so etwas wie Heimat, eine Welt, in der ich mich einfach zu Hause, verstanden und aufgehoben fühlte.

Gregorianik und Orgel zu studieren zeigt, dass Religion und Spiritualität bereits früh in deinem Leben seinen Platz gefunden hatten? Was hat dich auf diesen Weg geführt?

Keiner von uns kommt an den großen Fragen des Lebens vorbei, am Ende begegnen wir alle dem Tod und der Frage „Wozu das Ganze?“, „Wohin führt die Reise?“ usw. Vielleicht hatte ich das Glück, dass mein Durst nach Antworten besonders stark war und mir im Laufe meines Lebens so immer wieder Türen geöffnet wurden, die mich in meinem Glauben gestärkt haben. Wer sucht, der findet, sagt man, und so suche ich einfach weiter, jeden Tag.

Neben kulturellen Projekten wie „My Urban Piano“ setzt du dich auch vermehrt für soziale Projekte ein. Wie wichtig ist für dich der soziale Aspekt im Leben generell?

Sich für andere einzusetzen gehört für mich zum Sinn des Lebens. So wie das Leben uns beschenkt, ist es auch unsere Pflicht, unseren Mitmenschen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Dafür gibt es viele Wege. Für mich persönlich ist ein logischer Weg, meine Musik mit sozialen und karitativen Aspekten zu verbinden.

Bei deinen Konzerten geht eine spezielle „Aura“ von dir aus. Deine Musik ist sehr leise, auch wenn das jetzt kontradiktorisch klingen mag. Wie gehst du bei deinen Kompositionen vor? An was inspirierst du dich?

Egal wie laut oder virtuos manche meiner Stücke sind: am meisten inspiriert mich die Sehnsucht nach der Stille, nach dem Frieden, der unter den Stürmen und Wellen des Lebens beständig vor sich hin strahlt. Sobald ich anfange, ein Stück zu schreiben, wende ich mich nach innen, in Richtung dieser unfassbaren Ewigkeit, in der unsere Seelen verwurzelt sind. Konkret inspirieren mich Lebensereignisse, Gefühle, Menschen, und natürlich auch die großen Komponisten, deren Musik ich bewundere und liebe. Aber all das vergesse ich über der Arbeit an einem neuen Werk. Ich suche beim Komponieren gleichzeitig die Einfachheit als auch die Komplexität, das Natürliche wie das Unerwartete. Und ich gebe mich nie zufrieden, bis auch die letzte Note sich richtig anfühlt und kein überflüssiger Ton mehr in der Partitur steht.

Als Musiker stellst du vor allem deine Musik in den Fokus und nicht dich als Person. Etwas, was sehr erfrischend ist in einer Welt, in der viele Egozentriker und Narzissten unterwegs sind. Mit welchen drei Wörtern könnte man dich am besten beschreiben?

Gesegnet, dankbar, entschlossen.

© Morris Kemp

Neben deinem Beruf als Klavierlehrer, als Komponist von über 120 Werken, als Musiker mit Auftritten europaweit, in Indien und Japan, was treibt dich in deinem Leben noch an? Was interessiert den Menschen David Ianni noch?

Ich liebe das Leben und fühle mich besonders lebendig, wenn ich Sport mache. Um mich wohl zu fühlen, brauche ich gesunde Ernährung und guten Kaffee. Klug organisiertes Selbstmanagement und ein sinnvoller, zielführender Einsatz der modernen Technik sind mir wichtig. Da ich gerne Neues lerne, lese ich viele Sachbücher. Ich liebe Menschen, und auch wenn ich gerne zurückgezogen lebe, so genieße ich doch das Zusammensein und schöne Begegnungen mit anderen. Meine Familie ist ein Geschenk, für das ich zutiefst dankbar bin.

Welche musikalischen Kompositionen/welche Musiker können dich begeistern?

Immer wieder kehre ich zu meinen Lieblingskomponisten Mozart, Mahler und Skrjabin zurück. Alle großen Meister der klassischen Musik sind meine Helden und Vorbilder. Aber ich liebe auch Filmmusik, ganz besonders Ennio Morricone und John Williams. Hin und wieder höre ich auch Rock- und Popmusik, z.B. Queen, Coldplay, Björk, Radiohead, oder neulich im Italienurlaub Adriano Celentan. Und dann habe ich noch einen kleinen Geheimtipp (zumindest funktioniert er bei mir): wenn ich konzentriert an etwas Anderes als Musik arbeite, höre ich den britischen Künstler Four Tet, dessen Musik mich stets in einen hochfokussierten Zustand versetzt. Im Prinzip begeistern mich alle Musiker, die eine ehrliche, authentische Musik machen, die über das Oberflächliche hinausgeht.

 

Vielen Dank an David, für dieses Interview.

Foto © Morris Kemp, Foto © Emile Hengen

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Martine

Martine

Musik, Natur, Sport, Kunst und Kultur und vor allem Lesen. Dies sind einige meiner vielen Interessen. Geboren in Luxemburg und wohnhaft im Westen, bin ich in der Mitte des Lebens angekommen und genieße dessen Vielfalt jeden Tag aufs Neue.    Die Literatur ist für die Menschheit das, was Träume für den Einzelnen sind. Isabel Allende  

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